Eines Tages im Sommer 1997 kam ein älterer Herr zu uns ins Stadtteilzentrum. Der Besucher kam von weit her, aus Kanada. Er stellte sich uns vor und erzählte von der Zeit, in der er als Kind hier gelebt habe.

Das war der Beginn der Arbeit zur Geschichte unseres Hauses.

Recherchen ergaben, dass unser Haus von 1910 bis 1942 ein Kinderheim mit Hort, Lesestube und Kindergarten für jüdische Kinder war, oft aus bescheidenen Verhältnissen. Die allermeisten der Kinder wurden deportiert und ermordet. Nur wenige überlebten. Manche entkamen durch die „Kindertransporte“.

Mit einer Foto-Ausstellung möchten wir Erinnerungen an den Alltag der Kinder erhalten, die hier gelebt haben, und zugleich an das jüdische Leben in unserem Stadtteil erinnern. Unser Haus wurde Schauplatz für die Gewalt des Nationalsozialismus.

Bilder vom ehemaligen jüdischen Kinderheim

Tag der offenen Tür: Einladung zur Besichtigung des Kinderheimes und des Erweiterungsbaus
Fotograf: Abraham Pisarek
Erschöpft im Mittagsschlaf. Und gut behütet
Fotograf: Abraham Pisarek
Gemischte Gruppe: Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters gemeinsam am Tisch
Fotograf: Abraham Pisarek
Unter sich: Mädchen spielen mit Puppen
Fotograf: Abraham Pisarek
Eine kurze Pause: Erzieherinnen und die Heimleiterin Fräulein Bamberger auf dem Balkon
Fotograf: Abraham Pisarek
Eine Eisenbahn! Mädchen und Jungen sind ins Spiel vertieft
Fotograf: Abraham Pisarek
Die Küche: Der Mosaikfußboden ist bis heute erhalten
Fotograf: Abraham Pisarek
Lästig, aber es muss sein: Jungs im Badezimmer
Fotograf: Abraham Pisarek
Geschwister? Freunde? Wir wissen es nicht. Aber wir spüren die Vertrautheit.
Fotograf: Abraham Pisarek
Ist es das Purimfest? Das mit den Verkleidungen scheint vielen suspekt
Fotograf: Abraham Pisarek
Die Waschräume: Damals der neueste Stand der Sanitärtechnik
Fotograf: Abraham Pisarek
Der Sandkasten ist die Attraktion: Die Kinder im Hinterhof des Hauses (Blick auf die Küche)
Fotograf: Abraham Pisarek
Die Schaukel im Hof: Die Kleinen kommen als nächste dran
Fotograf: Abraham Pisarek
Hoch konzentriert: Jungen beim Schachspiel
Fotograf: Abraham Pisarek
Die Kinder basteln Segelboote: Ein Nachbau steht heute im Torbogen zum Aufgang
Fotograf: Abraham Pisarek
Kinder im Speisesaal: Vielleicht kommt gleich das Frühstück?
Fotograf: Abraham Pisarek
Abraham Pisarek (1901-1983), Theaterfotograf. Er hat alle hier gezeigten Aufnahmen gemacht
Fotograf: Abraham Pisarek
Erwartungsvoll am Tisch: Es gibt etwas Heißes zu trinken
Fotograf: Abraham Pisarek
Das lebende Reck: David macht Turnübungen. Er war der erste Besucher, der uns vom jüdischen Kinderheim erzählte
Fotograf: Abraham Pisarek
Bildung zählt: Kinder lernen Hebräisch
Fotograf: Abraham Pisarek

Die meisten Fotos der Ausstellung stammen von Abraham Pisarek (1901 – 1983). Er war ein bekannter Theaterfotograf und als Jude während des Nationalsozialismus mit einem Berufsverbot belegt. So kam es, dass sein fotografisches Arbeiten in dieser Zeit auf das jüdische Leben konzentriert war. In kurzen, begleitenden Audioaufnahmen erzählen wir die Geschichte des ehemaligen jüdischen Kinderheimes nach – so, wie sie uns von Überlebenden berichtet wurde. Sie erzählen, unser Haus war ein Ort der Geborgenheit und Zuwendung in schrecklicher Zeit.

Interessierte sind herzlich eingeladen, uns im Stadtteilzentrum in der Fehrbelliner Straße 92 zu besuchen und die Ausstellung im ersten Stockwerk zu besichtigen.

Erzählungen über das Jüdische Kinderheim 

In den vergangenen zwanzig Jahren haben wir Geschichten und Erinnerungen von Zeitzeug*innen an das Jüdische Kinderheim zusammengetragen. In kurzen Audio-Beiträgen möchten wir diese mit Interessierten teilen.

 
 

Unser Dank gilt: Ruth Gross, die uns das Fotoarchiv ihres Vaters Abraham Pisarek zur Verfügung gestellt hat, und Inge Franken († 2012), die die Erforschung der Geschichte unseres Hauses maßgeblich vorangetrieben hat. Vor allem möchten wir den Zeitzeug*innen danken, die zu uns gekommen sind und ihre Geschichten und Schicksale mit uns geteilt haben.

   Kontakt:Susanne 

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   Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz

   Fehrbelliner Str. 92 / 10119 Berlin

   Tel.: 030-443 71 78